Rezension: Aphrodites Küche

Zypern… das ist ein Land, was irgendwie zu Europa gehört, aber auch schon so weit im Osten ist, dass viele türkische und nahöstliche Traditionen aufgegriffen wurden. Über die Teilung des Landes wurde viel geschrieben, dieses Fass möchte ich hier gar nicht aufmachen. Beschäftigen wir uns lieber mit der schönen Seite des zypriotischen Lebens: Dem Essen!

In diesem Kochbuch wurde mal wieder deutlich, dass sich das Lesen von Einleitungen durchaus lohnt und informativ sein kann. Christina Loucas wuchs in Vancouver auf, verbrachte aber viele Ferien auf Zypern, weil ihre Eltern dorther stammen und ihre Verwandten dort weiterhin lebten. Anschließend lebte sie in London, wurde eine Anwältin für internationales Schiedsrecht und lebte ein erfolgreiches, aber auch anstrengendes und zermürbendes Leben. Irgendwann zog es sie wieder nach Zypern, sie arbeitete dort eine Weile, bis sie sich einigen Operationen und Krankenhausaufenthalten wegen einer Schilddrüsenüberfunktion stellen musste. Das war ihr Wendepunkt: Danach widmete sie sich nur noch dem, was sie wollte, lernte Fotografie, schrieb für ihren Blog Afrodite’s Kitchen und wurde schließlich immer bekannter damit. Ihr Motto lautet „Where traditions meets today“ und das spiegelt sich auch in ihrem Kochbuch wider.

Was einem beim Durchblättern von praktisch jedem Buch erst einmal ins Auge springt, sind die Bilder und diese hier können sich sehen lassen. Bestimmt liegt es unter anderem daran, dass die Autorin tatsächlich auf Zypern lebt und so all die schönen Kulissen direkt vor der Haustür hat. So finden sich nicht nur ansprechende Food-Fotos im Buch, sondern auch Strände, Details von Häusern oder Märkten. Das weckt direkt das Fernweh und fängt auch die Stimmung schön ein. Zusätztlich werden die Rezepte von kleinen Einleitungstexten begleitet, was ein Buch immer noch ein Stück persönlicher macht. Viele Rezepte kommen mit relativ wenig Zutaten aus, die Zubereitung ist wenig verschnörkelt und für alle Erfahrungstufen sind hier Rezepte zu finden.

Die meisten Zutaten sind problemlos zu beschaffen, zwischendurch werden dann aber auch Dinge wie Kaktusfeigen, Mastix- oder Mahlebpulver verwendet. Die meisten werden diese wohl nicht in der Vorratskammer haben, man kann sie aber über das Internet bekommen. Ich persönlich bin der Meinung, dass es in Länderkochbüchern auch gern einige Rezepte mit „exotischen“ Zutaten geben darf, weil das die Küche meist noch authentischer macht. Gleichzeitig sollte die Mehrzahl der Gerichte ohne solche Zutaten auskommen, damit man nicht die Lust am Ausprobieren vertreibt. Das Gleichgewicht ist für mich in diesem Buch definitiv erfüllt.

Rezepte, die ich bereits ausprobiert habe:
Tomatensuppe mit Kritharaki: Suppen sind im Allgemeinen eher nicht so mein Ding, aber sie sind schnell gemacht und wenn dann auch noch kleine Nudeln darin schwimmen, ist das zwischendurch schon mal in Ordnung. Die Tomatensuppe wurde sehr lecker, schön tomatig und dank der ordentlichen Menge an Basilikum und Thymian bekam sie ein schönes Kräuteraroma.

Halloumi Scones: Scones können durchaus zickig sein, wenn man einmal den Dreh raushat (Tipps dazu beispielsweise HIER oder HIER oder HIER), sind sie aber ein tolles, schnelles und variables Gebäck. Hier gab es sie herzhaft mit Halloumistückchen und Basilikum (statt Minze, wie im Rezept). Eine schöne Beigabe zu Suppe.

Mein Fazit: Bei Länderkochbüchern schätze ich vor allem eines: Authentizität! Und auch wenn ich es letztlich oft nicht aus allererster Hand beurteilen kann, finde ich schon, dass man vielen Büchern anmerkt, ob hier jemand schreibt, der sich auch mit Land und Leuten beschäftigt hat. Wenn man dann – wie hier – eine Autorin hat, die aus dem Land stammt, gleichzeitig aber auch einen Blick von außen hat und vor Ort lebt, ist das gefühlt der Jackpot. Die Umsetzung des „Where traditions meets today“ – Mottos finde ich sehr schön und gelungen. Die ausprobierten Rezepte haben gut funktioniert und so hat mir das Buch einen schönen kulinarischen Ausflug nach Zypern beschert.

Wer einen anderen Blick auf die gleiche Küche haben möchte: Hier gibt es noch ein anderes Zypern-Buch, über das ich bereits geschrieben hatte.

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Das Buch „Aphrodites Küche“ von Christina Loucas umfasst 230 Seiten, kostet 24,90 Euro und erschien im ZS Verlag.
Vielen Dank für die Bereitstellung als Rezensionsexemplar.

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