Rezension: Das jüdische Kochbuch aus Hamburg

Auf das Kochbuch, was ich euch heute mitgebracht habe, bin ich durch Zufall gestossen und direkt war klar: Das muss ich haben! Ich liebe die jüdische Küche einfach und Hamburg ist nicht allzu weit weg von meinem aktuellen Wohnort, also die perfekte Kombination!

Der Titel ist quasi selbsterklärend, trotzdem ein paar Worte dazu: Hamburg hat eine lange, wechselvolle jüdische Geschichte. Aufgrund verschiedenster Migrationswellen kamen und gingen die verschiedensten Gruppen von Juden in die Hansestadt und gerade die große Internationalität wird auch im Buch widergespiegelt. Hier gibt es die Klassiker der deutschen Küche (Sandkuchen, Erbsensuppe, Heringssalat) neben russischen, israelischen, persischen und einfach typisch jüdischen Speisen (Gefilte Fisch, Mazzeknödel, Tscholent).

Was das Buch besonders macht, ist vor allem alles, was neben den Rezepten noch im Buch zu finden ist. Versteht mich nicht falsch: DIe Rezepte sind klasse! Was wir zusätzlich im Buch aber noch finden, sind viele, viele Hintergrundinformationen. Es gibt zu jedem Rezept Informationen, wer dieses Rezept beigesteuert hat und eine kleine Geschichte. Daneben gibt es viele kleine Erinnerungen und am Ende kleine, biographische Texte. Die drei Herausgeberinnen haben nämlich alle Rezepte von ehemaligen oder gegenwärtigen Hamburgern mit jüdischem Hintergrund bekommen. Teilweise wurden die Rezepte generationsweise weitergegeben und konnten von den momentanen Besitzern gar nicht mehr gelesen werden. Auch diese Originale wurden teilweise im Buch als Bilder abgedruckt. Womit wir auch schon bei der Begründung für die Zweisprachigkeit des Buches wären: Auch die Nachfahren, die Rezepte beigesteuert hatten, sollten die Möglichkeit bekommen, dieses Buch zu verstehen. Aus diesem Grund sind alle Texte in diesem Buch auf deutsch und englisch nebeneinander abgedruckt. Bilder der Rezepte gibt es übrigens nicht. Mich störte das nicht, auch wenn ich schöne Bilder in Kochbüchern auch toll und hilfreich finde.

Rezepte, die ich bereist ausprobiert habe:
Sandkuchen: Ein Klassiker, den wahrscheinlich die meisten schon oft gegessen haben. Diesen gab es an einem dieser Tage, wo man einfach einen schnellen, einfachen Kuchen backen möchte. Sehr saftig, sehr süß und schmeckt extrem klassisch.

Erbsensuppe: Noch so ein Klassiker… Eigentlich bin ich kein Suppenfan, aber irgendwie war mir beim Durchblättern des Buches plötzlich nach dieser Suppe, also habe ich sie dann doch gekocht und nicht bereut.

Bulbenik: Hierbei handelt es sich um ein Kartoffelbrot nach einem israelischen Rezept. Das Brot wird nicht besonders luftig, sondern eher wie eine Kreuzung aus Rösti und Brot. Passte wunderbar zu der Erbsensuppe.

Mein Fazit: Noch so ein tolles Buch durch das ich mich am liebsten einmal von vorne, bis hinten durchkochen und -backen möchte! Die Rezepte sind in den meisten Fällen sehr einfach und leicht umsetzbar, hier gibt es Alltagsküche, bei der man merkt, dass sie lang bewährt ist. Komplett koscher ist das Buch übrigens nicht, auch hier gibt es von Familie zu Familie unterschiedliche Ausprägungen.

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Das Buch „Das jüdische Kochbuch aus Hamburg“ herausgegeben von Gabriela Fenyes, Barbara Guggenheim und Judith Landshut umfasst 285 Seiten, kostet 23 Euro und erschien im Dölling und Gallitz Verlag. Vielen Dank für die Bereitstellung als Rezensionsexemplar.
Das Buch könnt ihr beispielsweise direkt beim Verlag, beim örtlichen Buchhändler oder bei Amazon bestellen.

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6 Antworten zu Rezension: Das jüdische Kochbuch aus Hamburg

  1. moopenheimer schreibt:

    Ich habe Deinen Artikel zum Anlass genommen, meine alten Koch- und Rezeptbücher herauszukramen und werde sie in den nächsten Tagen in meinem Blog vorstellen. Nummer 1 ist schon fertig: https://moopenheimer.wordpress.com/2018/11/25/meine-kochrecepte-rezeptbuch-von-1907/ Ich kriege Hunger!

  2. Anna C. schreibt:

    Vielen Dank für die Vorstellung, das Buch spricht mich sehr an.

  3. moopenheimer schreibt:

    Wie cool! Ich habe selbst so einige alte handgeschriebene Kochbücher, die nach über hundert Jahren durch ihre Zutatenliste („Man nehme zwei Dutzend Eier und 500g gute Butter …“) schon etwas aufhorchen lassen und nur mit Mühe, aber doch entziffert wurden. (von einem Kochbuch habe ich gerade kein Foto, aber so sieht so eine Aufgabe dann aus: https://farm5.staticflickr.com/4660/40464023202_607fd3d380_k_d.jpg – ein Apothekerbuch)
    Die jüdische Küche ist ja nicht nur durch die religiös eingeschränkt erlaubten Zutaten (Mazze und Co.) bekannt, sondern auch für die großen Gerichte, die bei Feiern aufgetischt wurden (Blinis, Gefilte Fisch – wenn auch eine Mordsarbeit, Kigel) und die alltäglichen Speisen, die man vor allem in den jüdischen Gegenden in Manhattan und anderen US-Städten überall sieht (Knisch, Bagels, Pastrami).

    Ich glaube, dieses Buch muss ich haben. Danke für die Rezension!

    • Becky schreibt:

      Oh super, das freut mich, dass dich solche Bücher auch interessieren! Ja, alte Bücher und Rezepte sind schon sehr spannend, da erlebt man immer mal wieder interessante Dinge. Allerdings hat sich auch gleichzeitig relativ wenig getan, finde ich oft. Aber gerade diese Kombination ist spannend.
      Viele Grüße, Becky

      • moopenheimer schreibt:

        Oh, ich finde, die Rezepte ändern sind schon. In meinen Kochbüchern um 1890-1900 wurde für so ziemlich jedes Gericht Muskat verwendet. Das war vielleicht die Modezutat, so wie in den 2000-Nuller-Jahren das Basilikum.
        Sehr schön ist mein Kochbuch „Schmackhaft kochen, auch im Krieg“ von 1940. Da sind viele Gerichte, die man bei Mangel an guten Zutaten zaubern kann. Und ob du es glaubst oder nicht: heute findet man diese Gerichte in der Öko-/Bio-Ecke.
        Ich werde das Buch mal in Kürze in meinem Museum vorstellen. Werde am besten Follower, dann verpasst du es nicht!

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