Rezension: Kiezküche

Manche Kochbücher kauft man wegen der Gerichte, manche wegen des berühmten Autors und manche, wegen der Geschichte, die dahiner steht. Im besten Fall ist es eine Kombination aus mehreren Faktoren (wobei der berühmte Autor wohl das unwichtigste ist). Mitgebracht habe ich euch heute gleich zwei Bücher, die eigentlich all das verbinden:

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Die Kiezküche kennt man vielleicht, wenn man aus Hamburg oder Umgebung kommt. Es handelt sich dabei nämlich, neben dem Verfasserteam von inzwischen drei Kochbüchern, auch um einen Foodtruck und zusätzlich um ein Lokal. Im ersten Band der „Kiezküche“ ging es nach St. Pauli, heute nehme ich euch mit auf eine Reise nach Kreuzberg & Neukölln und zum aktuellen „Refugees Welcome“-Projekt. Beide Bücher sind ganz eigen, stehen für sich und haben viele Unterschiede, aber auch ein paar Gemeinsamkeiten.

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Im Buch über unsere Hauptstadt geht es viel um Berlin typische Orte, es werden sehr viele Bäckereien, besonders Lokale, Markthallen oder andere spezielle, kulinarische Orte vorgestellt. Wenn ich das nächste Mal nach Berlin fahre, werde ich dieses Buch definitiv noch einmal zücken und dann die ein oder andere Lokalität sicher abklappern. Damit ist das Buch zum einen eine Art Reiseführer, zum anderen  aber auch eine Möglichkeit, etwas von der Lebendigkeit und Multikulturalität (sagt man das so?) in die eigenen vier Wände zu holen. Die Rezeptauswahl ist sehr vielfältig: Von typischen Berliner Speisen, über polnisch inspirierte Gerichte, bis hin zu türkischen Leckereien gibt es hier von allem etwas. Die Rezepte stammen hierbei übrigens vom Berliner Koch Thomas Elstermeyer.
Auch das Refugees Welcome – Buch ist unfassbar vielfältig: Selbstverständlich gibt es zahlreiche Rezepte, deren Ursprung oft in Ländern wie Syrien, dem gesamten Nahen Osten, aber beispielsweise auch in Bosnien oder Eritrea liegen. Darüberhinaus hatte ich beim Durchblättern das Gefühl, dass dieses Buch eine Art historisches Zeugnis für die unglaubliche Willkommenskultur darstellt. Hier wird in vielen Portraits und Interviews berichtet, wie ganz konkret vor Ort mit den (zeitweise auftretenden) Flüchtlingsströmen umgegangen wurden, welche Klippen weiterhin umschifft werden müssen und natürlich auch, was gemeinsames Essen und sich austauschen bewirken kann. Das ist unheimlich inspirierend. Ebenfalls unbedingt erwähnenswert ist, dass der gesamte Gewinn dieses dritten Buches an das Flüchtlingsprojekt „Kiezhelden“ des St. Pauli geht und von dort weiterverteilt wird.

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Es gibt ein paar Gerichte und Rezepte, die in beiden Kochbüchern vorkommen, das ist wohl weitgehend normal, wenn man solche Bücher verfasst und beispielsweise Hummus und Manakish einfach perfekt in beide Konzepte passen. Da diese Dopplung aber selten ist und keine Überhand nimmt, denke ich, dass das vollkommen in Ordnung geht.

Rezepte, die ich bereits ausprobiert habe:
Frühstücksbagel mit doppelt Käse und Zwiebelmarmelade: Wie ihr seht, habe ich statt Bagel einfache Brötchen benutzt, aber ich habe die gleiche Füllung benutzt. die Kombi aus Brötchen, Frischkäse, Camembert, mit Portwein eingekochten Zwiebeln und etwas Salat ist einfach großartig! Das Rezept stammt aus dem Neukölln & Kreuzberg – Band.

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Mercimek: Diese türkische Linsensuppe ist toll vorzubereiten, man benötigt nicht allzu viele und exotische Zutaten und so ist sie ein tolles Gericht, wenn es mal schnell, einfach und wärmend sein soll. Das Rezept stammt aus dem Neukölln & Kreuzberg – Band. Dazu gab es…

Kitcha: Dieses dünne Pfannenbrot aus Eritrea wird so oder so ähnlich in vielen afrikanischen Staaten als gleichzeitige Beilage, Besteck und Teller benutzt. Pfannenbrote finde ich unheimlich praktisch, gerade zu Suppen, Shakshuka oder ähnlichem passen sie wunderbar. Dieses Brot wurde etwas teigig, aber ich glaube, das lag vor allem daran, dass ich den Teig nicht dünn genug ausgerollt hatte. Außerdem brauchte ich deutlich mehr Mehl, als im Rezept angegeben wurde, das hat man bei Teigen allerdings immer mal wieder. Das Rezept stammt aus dem Band „Refugees Welcome“.

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Harissa: Harissa und Basbousa sind sehr ähnliche Backwerke und beide unheimlich lecker. Dieser Grieß-Joghurt-Kuchen war einer der ersten orientalischen Backwerke, die ich selbst erfolgreich gebacken und hier verbloggt habe. Einfach toll! Ebenfalls aus dem „Refugees Welcome“.

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Mein Fazit: Beide Bücher sind keine einfachen Kochbücher, die man sich nur anschauen kann oder sollte, wenn man ein schönes Rezept sucht. Beide bieten auf ihre Art einen großen zusätzlichen Mehrwert, zeigen, wie vielfältig die Gerichte der Welt sind und wie gleich wir trotzdem letztlich alle sind. Das ist eine tolle Botschaft, die unbedingt mehr Menschen erreichen sollte.

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Das Buch „Kiezküche // Kreuzberg & Neukölln“ umfasst rund 180 Seiten, kostet 29,90 Euro und erscheint direkt bei der Kiezküche.
Das Buch “ Kiezküche // Refugees Welcome“ umfasst rund 140 Seiten, kostet 24,90 Euro und erschient direkt bei der Kiezküche.
Vielen Dank für die Bereitstellung als Rezensionsexemplare.

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Eine Antwort zu Rezension: Kiezküche

  1. Super coole Idee, die Menschen übers kochen zusammen zu bringen! 🙂

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