Rezension: Weltenbummler

Und ich erhöhe noch einmal: Nicht nur 2 Personen machen sich auf auf eine Reise, nicht 4 Personen reisen ein halbes Jahr um die Welt, nein, dieses Mal reisen 4 (zwischenzeitlich sogar 5) Menschen und 1 (dann 2) Hund(e) für 2,5 Jahre um die Welt.

In „Weltenbummler“ erzählt Heike Praschel die Geschichte, wie sie mit ihrem Mann Tom und den beiden Kindern Emma und Paula (zu Beginn 3 und 1 Jahre alt) von Deutschland in die Mongolei aufbrechen. Mit einem alten, zum Wohnwagen selbst umgebauten, Mercedeslaster aus den 60er Jahren fahren sie in die Türkei, in den Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan, Kasachstan und nach einem Abstecher nach Sibirien landen sie schließlich in der Mongolei. Dort wartet der einzig feste Termin der ganzen Reise auf sie: Sie holen Sarah vom Flughafen ab, eine weitere Tochter, die in Deutschland ihre Schule beendet hat. Später fahren sie wieder zurück nach Deutschland, überwintern 4 Monate in der Türkei und überlegen schon dort, wohin es als nächstes geht. Kanada soll das Ziel sein, dann weiter durch die USA, bis nach Mexiko. Gesagt, getan. Sarah bleibt auf eigenen Wunsch in Deutschland zurück, aber beide Kleinen und inzwischen der zweite Hund (aufgesammelt und in die Familie aufgenommen nach dem langen Türkeiaufenthalt) machen sich mit auf die Reise.

Cover Weltenbummler

Das gesamte Buch ist von Heike Praschel, also der Mutter, geschrieben und sie schildert alle Erlebnisse auch aus ihrer Sicht. Einiges kam mir dabei sehr bekannt vor – auch wenn ich nicht durch die Mongolei und Co gereist bin – beispielsweise ist es meist sie, die noch lange nach den anderen Familienmitgliedern wach ist, auf kleine Geräusche um sie herum achtet, Angst hat, wenn Leute um den Wagen schleichen und so weiter und so fort. Gerade diese Beschreibungen der Reise bereichern das Buch aus meiner Sicht sehr, denn hier merkt man, dass eben nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen ist. Oder wer möchte in Kirgistan landen, wenn gerade ein Bürgerkrieg ausbricht und man gerade noch so über die letzte, geöffnete Grenze kommt – nach einigen Irrfahrten durch das Land, inklusive Steckenbleiben auf einem verschlammten Bergweg zwischen Felswand und Abgrund. Übrigens macht die Familie besonders in den USA einige eher negative Begegnungen, sie werden als Gypsy beschimpft und immer wieder auch von der Polizei oder Park Rangern angehalten.

Natürlich gibt es auch viele tolle Erlebnisse unterwegs: In der Türkei überwintern sie auf der Rückfahrt von der Mongolei und freunden sich dort mit einigen Fischern ab. In Usbekistan übernachten die vier auf einem Marktplatz, werden dort freudig und interessiert empfangen und zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Und auch in den USA und Kanada treffen sie immer wieder hilfsbereite Menschen, auf deren Anwesen sie ihren Truck aufstellen dürfen.

Teilweise hatte ich das Gefühl, dass es besonders im ersten Teil der Erzählung eine ziemliche Aneinanderreihung von Etappenzielen gab und dort die eigentlichen Geschichten und Erlebnisse etwas zu kurz kamen. Das wurde später besser. Allerdings ist es natürlich auch klar, dass man nicht 30 Monate Reisen in nicht einmal 300 Seiten Text auch nur annähernd vollständig oder für alle Reiseteile gleichwertig darstellen kann.

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Mein Fazit: Das Buch lässt sich sehr gut lesen und ich hatte das Gefühl, dass Heike Praschel sehr authentisch schreibt. Ihre Gefühle und Erzählungen konnte ich alle sehr gut nachvollziehen. Ein spannendes Buch über eine nicht alltägliche Reise, (teilweise) alltägliche Probleme, spannende Erlebnisse, Gastfreundschaft, aber auch über die Ängste unterwegs.

 

Wer die Familie mal in bewegten Bildern sehen möchte, kann das hier in der ZDF Mediathek tun.

 

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Das Buch „Weltenbummler“ von Heike Praschel umfasst rund 260 Seiten, ist bei Malik erschienen und kostet 19,99 Euro. Anfang nächsten Jahres erscheint das Taschenbuch.

Vielen Dank für die Bereitstellung als Rezensionsexemplar.

 

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Eine Antwort zu Rezension: Weltenbummler

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