Eine etwas andere Rezension: Mut für zwei

Gemeinsames Essen verbindet und das über Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede hinweg. Und genau deswegen möchte ich euch heute mal ein ganz anderes Buch vorstellen, als ich es sonst tue. In dem Buch geht es um eine große Reise von Deutschland, über Russland, die Mongolei, bis China und große Fragen zu der Rolle von Familie, über’s Reisen und vieles mehr. Da mich das Buch sehr bewegt hat, möchte ich es euch unbedingt vorstellen:

Schränkt das Leben mit Kindern ein? Muss man all seine eigenen Wünsche und Vorstellungen über Bord werfen, sobald man Mutter oder Vater wird? Darf man sich nur noch mit anderen Müttern über Windeln und Co unterhalten? Darf man seinen Wohnort nicht mehr weiter als maximal 100 km verlassen? Als Julia Malchow Mutter wurde, merkte sie schnell, dass man als Mutter irgendwie eingeschränkt wird. Aber warum? Darauf fand sie keine Antwort. Als sie dann auch noch ihrer Leidenschaft – dem Reisen – weiter folgen wollte, erntete sie viel Unverständnis, manchmal Bewunderung und immer die Aussage: „Du bist aber mutig, so etwas würde ich mich nie trauen!“

Warum genau sie mutig wäre und was genau so schlimm daran sein sollte, mit einem Baby weiter zu verreisen, konnte ihr allerdings auch niemand sagen. Also machte sie sich auf den Weg und buchte in einer dafür sehr kurzen Zeit von ein paar Wochen eine Reise, die sie und ihren Sohn mit der Transsibirischen Eisenbahn von Sankt Petersburg in die Mongolei und schließlich bis nach Peking führen sollte. Über diese Reise und ihre Gedanken zu den Möglichkeiten des Familienlebens schreibt sie in diesem Buch.

Julia Malchow nimmt und mit auf ihre Reise: Sie erzählt von ihren Ängsten, als Mutter nur noch Mutter und nicht mehr sie selbst sein zu dürfen, von Spielplatzbesuchen, auf denen größere Kinder ihren Sohn Levi ärgerten und von den Müttern, die zwar hinschauten, aber nichts sagten. Sie erzählt von den Zweifeln, die in ihr aufsteigen und dem Widerwillen, genauso zu leben. In „ihrem früheren Leben“ sei sie immer auf Reisen gegangen, wenn sie große Fragen hatte und die Antworten suchte. Also beschließt sie, dass Levi und sie sich ebenfalls auf eine Reise begeben müssten. Schließlich reisen sie mit dem ehemaligen Baikalexpress und die Zeit im Zug gibt den beiden viel Raum und Zeit, sich noch einmal neu kennenzulernen. Durch den Kleinen kommen sie aber auch mit vielen Mitreisenden in Kontakt, jeder freut sich über das 10 Monate alte Baby, es werden Picknicks im Zug veranstaltet und am Ende sind alle zu einer „Transsib-Familie“ zusammengewachsen. Rund um den Baikalsee bleiben Julia und Levi ebenfalls eine Weile, bis es sie weiter in die Mongolei zieht, wo eine Weile auch Markus – der Freund von Julia und Vater von Levi – zu ihnen stößt. Die traute Zweisamkeit wird also erweitert und jeder muss kurz schauen, wie seine Rolle genau ist. Aus Peking fliegt Markus wieder zurück nach Deutschland und die beiden anderen bleiben noch etwas in China.

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Levi ist auf all diesen Stationen ein echter Herzens- und Türenöffner: Überall wird der Kleine geherzt, alle freuen sich über ihn und nichts ist auch nur ansatzweise vergleichbar mit den Erfahrungen vom deutschen Spielplatz. Auch gegessen wird immer wieder in geselliger Runde oder auch ganz klein und beschaulich, denn essen muss jeder und so kann man leicht ins Gespräch kommen, sei es bei russischen Blini, mongolischen Manti oder chinesischen Dumplings.

Und die Moral von der Geschicht? Offen sein, nicht zu sehr genervt sein, wenn ein Plan mit Kind mal nicht zu 100 % klappt, denn es kommt bestimmt etwas anderes, und die Gewissheit, dass Kinder nicht einschränken, sie bereichern das Leben, wenn man sich darauf einlässt!

 

Mein Fazit: Das Buch ist großartig und ein echter Bestätiger oder / und Mutmacher! Allein die Bestätigung, dass man mit dem Beobachten der Ist-Lage nicht allein ist, ist schon toll. Aber die Tatsache, dass Julia Malchow die Reisepläne einfach (auch gegen Widerstand und Einwände) durchsetzt und dabei immer auf das Wohl von Levi schaut, ist großartig.

Warum sollte man mit Kleinkindern und Babys nicht viel mehr unterwegs sein? Warum ist Deutschland in Teilen so kinderunfreundlich? Und wieso sollte es draußen in der Welt gefährlicher sein, als in jeder deutschen Stadt?

Und übrigens: Auch für Nicht-Eltern finde ich dieses Buch ausgesprochen spannend und lesenswert, denn es gibt doch immer eine „Ausrede“, warum man einem großen Traum nicht folgt: Man ist krank, man hat nicht genügend Geld, „man macht so etwas halt nicht“, gerade ist man beruflich zu eingespannt, … Dieses Buch pustet einem den Kopf durch und zeigt, wie wichtig die scheinbar kleinen Dinge im Leben sind und dass es immer einen Weg gibt. Man muss nur wirklich wollen und nicht zu sehr auf andere hören.

Wer die Autorin mal besuchen möchte, kann das auf ihrer Website tun, sie plant übrigens bei Interesse auch eure nächste Reise, denn sie betreibt eine Reiseagentur für Individualreisen. Apropos: Sie plant im Moment ihre persönliche nächste, große Reise: Eine Weltreise mit Mann und zwei Kindern, denn Levi ist inzwischen 4 Jahre alt und großer Bruder. Ich bin gespannt!

Und hier noch ein Beitrag über Julia Malchow aus dem NDR:

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Das Buch „Mut für zwei . Mit der Transsibirischen Eisenbahn in unsere neue Welt“ von Julia Malchow ist bei Malik – National Geographic erschienen. Es kostet 14,99 Euro und umfasst rund 330 Seiten.

Vielen Dank für die Bereitstellung als Rezensionsexemplar.

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5 Antworten zu Eine etwas andere Rezension: Mut für zwei

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  5. petrasreiseblog schreibt:

    Hat dies auf petrasreiseblog rebloggt.

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