Rezension: Leben und Kochen wie in Bullerbü

… unendliche Weiten, rote Häuschen, ruhige Seen und zwischendurch streift mal ein Elch durch’s Bild. Alles ist irgendwie friedlich und heimelig, die Menschen sind nett zueinander und wenn es doch mal kracht, ist alles halb so schlimm. Habt ihr ungefähr solch ein Bild von Schweden bekommen, als ihr früher die Bullerbü-Filme gesehen und die Bücher gelesen habt?

Cover-Bullerbue

An dieses geborgene Lebensgefühl soll mit dem Buch angeknüpft werden, das ich euch heute, passend zu Midsommar, vorstellen möchte. Um was es in dem Buch konkret geht, ist gar nicht so leicht auf den Punkt zu bringen. Der Untertitel verspricht „Nordische Ideen und Rezepte vom Lande“. Das Autorinnenteam Sarah Schocke und Lotte Reinhardt nimmt uns also mit auf eine Reise in den Norden Europas. Dass Lotte Reinhardt gebürtige Dänin ist, merkt man tatsächlich dem Buch auch an: Viele Rezepte oder Traditionen stammen – wenn sie nicht in Gesamt-Skandinavien vorkommen – meist aus Dänemark. Das fand ich etwas verwirrend, weil ich nach dem Buchtitel eher mit etwas schwedischem gerechnet habe.

Das Buch ist in vier Kapitel aufgeteilt, die sich jeweils mit einer Jahreszeit beschäftigen. Das finde ich persönlich sehr passend, weil Bullerbü eben für mich auch für ein Dorfleben steht, bei dem nicht immer alles verfügbar ist, sondern man sich nach den Jahreszeiten ausrichtet. Vieles, was in den Kapiteln und seinen zahlreichen Unterpunkten steht, beschäftigt sich mit Themen, die ebenfalls in diese Richtung gehen: Warum sollte man Wildkräuter ernten? Wo kann ich herausfinden, wo es Obstwiesen gibt, auf denen man einfach ernten darf? Aber auch Themen wie Eisbaden oder Sauna kommen vor. Das zeigt euch schon, dass dieses Buch kein einfaches Kochbuch ist. Wer so etwas sucht, wird mit diesem Buch wohl kaum glücklich werden.

Zimtschnecken.Bullerbue2

Kommen wir zu den Rezepten: Pro Kapitel gibt es jeweils einige Rezepte (zwischen 7 und 10, dass hier ausgerechnet der Herbst die wenigsten hat, hat mich ehrlich gesagt sehr gewundert), die die typischen Obst- und Gemüsesorten aufgreifen, die gerade Saison haben. Jedes Rezept ist bebildert, die Zutaten sind übersichtlich aufgeführt und auch die Zubereitungsschritte sind ausführlich und gut nachvollziehbar – sie sind durchnummeriert und stehen untereinander, was ich am übersichtlichsten finde. Jedes Rezept wird zusätzlich von einem kleinen Text eingeleitet, der etwas zu Geschichte, Geschmack oder ähnlichem erzählt.

Überhaupt wird das Buch von hübschen Bildern aufgewertet, wobei viele Non-Food-Aufnahmen nicht extra für das Buch aufgenommen wurden, sondern aus verschiedenen Bilddatenbanken stammen. Solange dies nicht für die Bilder von den Gerichten gilt, finde ich das nicht so schlimm. Das einzige, was ich in diesem Zusammenhang eher unelegant finde, ist, dass der Kuchen vom Cover ebenfalls aus solch einer Datenbank stammt und das Rezept dazu nicht im Buch zu finden ist. Besonders beim Coverbild finde ich das nicht schön, weil der ein oder andere sicher auch das Buch in die Hand nehmen wird, weil er genau diesen Kuchen vom Cover nachbacken möchte.

Zimtschnecken.Bullerbue3

Nun könntet ihr euch fragen: „Gibt es denn gar keinen Bezug zu Bullerbü und den Geschichten von Astrid Lindgren?“ Und meine Antwort würde lauten: „Nicht wirklich!“ Okay, jedes Kapitel wird mit einem kleinen Zitat aus einem ihrer Bücher eingeleitet, aber das war es dann auch schon. Die Autorinnen wollten zwar das Lebensgefühl aufgreifen, gehen dabei aber nicht auf Bullerbü selbst ein.

Ausprobiert habe ich natürlich von den Rezepten auch schon etwas. Es wurden die Zimtschnecken – denn an einem Rezept für Zimtschnecken kann ich nun einmal einfach nicht vorbei blättern, auch, wenn noch nicht Herbst ist. Leider haben sie mich nicht wirklich überzeugt: Der Teig ging zwar prima auf, die Füllung war reichlich und alles sah nach tollen Zimtschnecken aus. Leider war der Teig allerdings ziemlich fad und auch trocken, das konnte die Füllung dann auch nicht mehr rausreißen.

 

Mein Fazit: Das Buch ist auf jeden Fall nett gemacht und man kann immer wieder schön darin stöbern. Je nach Jahreszeit findet man hübsche kleine Anregungen. Auch wenn der Titel es suggerieren könnte, ist dieses Buch aus meiner Sicht allerdings nicht unbedingt für jeden großen Astrid-Lindgren-Fan geeignet, der sich Bullerbü nach Hause holen möchte. Das ausprobierte Rezept funktionierte, hat mich aber nicht überzeugt. Selbstverständlich können die anderen aber alle ganz großartig sein, dazu kann ich nichts sagen. Insgesamt hatte ich ein bisschen was anderes erwartet und vielleicht war ich auch deswegen nicht komplett von dem Buch überzeugt.

 

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Das Buch „Leben und Kochen wie in Bullerbü“ von Sarah Schocke und Lotte Reinhardt umfasst rund 180 Seiten, hat dabei etwa ein Format von Din A5 und kostet 14,99 Euro. Es ist im Kailash Verlag erschienen.

Vielen Dank für die Bereitstellung als Rezensionsexemplar.

 

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3 Antworten zu Rezension: Leben und Kochen wie in Bullerbü

  1. Pingback: Schönes am Sonntag - Midsommar

  2. HoetusPoetus schreibt:

    ….. ist ja irgendwie schon „gemein“ ….
    „Leben wie in Bullerbü“ nicht SO im Buch widerzuspiegeln…
    Hast du schon bei *Bee den Post gesehen? ….. DER ist Bullerbü PUR!!!

    https://emmabees.wordpress.com/2015/06/19/ich-traumte-einst-von-bullerbu-teil-1/ …..

    und es folgt noch mehr…

    Zauberhafte Grüße …. Katja

    • Becky schreibt:

      Ich finde auch: Wenn man ein Buch schon so nennt, sollte es auch etwas rüberkommen… Nun ja, alles braucht halt seinen Namen und Titel…
      Oh ja, bei Bee ist es wirklich Bullerbü pur.🙂
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende, Becky

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