Rezension: Rosenwasser & Granatapfelkerne

Wie sicherlich einigen Lesern nicht entgangen sein dürfte, mag ich die orientalische Küche ganz besonders gern. Vor allem für die sirupgetränkten Süßigkeiten habe ich eine ausgesprochene Schwäche. Wie passend also, dass vor einem Weilchen das wunderbare Buch „Rosenwasser & Granatapfelkerne“ von Suzanne Zeidy zu mir flatterte.

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Die Autorin ist Ägypterin, die in Kairo und New York studiert hat und inzwischen einige Restaurants in ihrem Heimatland führt. Mit ihrem Buch möchte sie den Leser mit auf eine Reise in die authentische Küche des Orients nehmen, was ihr mit Hilfe von traditionellen und teils modernisierten Rezepten und Bildern von Alltagsszenen wunderbar gelingt.

Hier habe ich ein paar Bilder direkt aus dem Buch für euch – mit einem Klick darauf werden sie größer (das Copyright der Bilder liegt bei Jonathan Gregson/Knesebeck Verlag):

Die Rezepte sind in insgesamt 9 Kapitel aufgeteilt und jedem der Kapitel gibt es eine spezielle Zutat, ein Gericht oder eine Zubereitungsart, die auf einer Doppelseite ausführlicher vorgestellt wird. Da wird beispielsweise Feteer vorgestellt, eine Art Fladen oder Tasche aus einem Teig, der ähnlich wieder Strudelteig extrem dünn ausgerollt wird und dann geschichtet wird, sodass er nach dem Backen eine blätterteigähnliche Konsistenz aufweist. Auch über „das ägyptische Gericht schlechthin“, Kuschari, wird auf einer Seite extra berichtet. Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Reis, Linsen, Röstzwiebeln und einigem mehr – die Uridee stammt aus Indien, über die Briten kam es nach Ägypten und die veränderten Khichri so, dass es zum ägyptischen Kuschari wurde. So ziemlich jede ägyptische Familie hat ihr eigenes Rezept dafür, wie das bei typischen Gerichten so der Fall ist…

Das Inhaltsverzeichnis

Das Inhaltsverzeichnis

Alle Rezepte werden von einem Einleitungstext begleitet, der etwas über den Ursprung des Gerichtes, den Geschmack oder den Anlass erzählt, zu dem es zubereitet wird. Besonders bei solchen etwas fremderen Küchen und Kulturen finde ich, dass dies eigentlich ein absolutes Muss ist, damit man die Gerichte einordnen kann und weiß, auf was man sich einstellen kann. Das ist hier wunderbar gelungen. Die Zutaten und Zubereitungsschritte sind klar strukturiert und gut nachvollziehbar. Zu den meisten Rezepten gibt es Bilder, die alle sehr angenehm sind, zeigen, was sie sollen und orientalisch angehaucht aussehen. Dabei wirken sie authentisch und nicht allzu gestellt.

Auf meiner Nachkochliste stehen noch so leckere Dinge wie Semit (ein Brot, das in den Straßen von Kairo verkauft wird), Frühstücks-Couscous, Labna-Bällchen, Egga (ähnlich einer Frittata), Perlgraupen mit Früchten und Nüssen, Geröstete Paprika mit Schafskäse, Auberginen Fattah, Halawa-Trüffel, …

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Mandel-Grieß-Kuchen mit Sirup

Für andere Vegetarier sei erwähnt, dass dieses Buch nicht rein vegetarisch ist. Aber es gibt – nach meinem Eindruck – mehr vegetarische Rezepte, als welche mit Fleisch und Fisch. Insofern lohnt sich auf jeden Fall auch für Vegetarier der Blick ins Buch.

Saftiger Dattel-Walnuss-Kuchen

Saftiger Dattel-Walnuss-Kuchen

Etwas schwieriger wird es dagegen teilweise mit der Beschaffung spezieller Zutaten. Auch hier gilt: Es gilt viele Gerichte, bei denen das Exotischste Couscous und Kreuzkümmel ist, was vermutlich viele von euch schon zu Hause haben oder ansonsten im nächstgelegenen Supermarkt erstanden werden kann. Teilweise werden allerdings auch Zutaten wie Sahlab-Pulver (für ein Getränk, das traditionell mit gemahlenen Orchideen zubereitet wird), Tamarindenpaste, Mastix (Harz eines Pistazienbaumes), verschiedene Auberginensorten, Sumach oder Kunafa verwendet. Hier ist ein arabischer Händler des Vertrauens von Vorteil, den ich leider noch nicht gefunden habe. (Wer einen Tipp für den Großraum Bremen hat: Immer her damit.)

 

Rezepte, die ich bereits ausprobiert habe:

Fuul-Sandwich: Foul hatte ich euch schon einmal in der israelischen Variante vorgestellt. Dieses Mal gab es eine Variante davon als eine Art warmen Salat, der in Baladi-Brot (so eine Art Pita) gefüllt wird und ein typisches Streetfood in den Straßen von Kairo ist. Zusätzlich habe ich noch marokkanisches Zaalouk (grobes Auberginenmus) zum Füllen gemacht, was gut war, weil das reine Fuul-Sandwich uns etwas zu trocken-fad wirkte. Zusammen war das Ganze dann sehr lecker. (Vom fertigen Sandwich gibt es leider kein Bild, deswegen gibt es nur Bilder von der Mise en place und der Füllung – danach war das Licht einfach sehr schlecht…)

Auberginen-Sandwich: Eine schöne Kombination aus knusprigem Brot, Salat, Tomatenscheiben, gebratenen Auberginenscheiben und feiner Tahini-Sauce (vgl. unten). Statt Baladi-Brot haben wir Fladenbrot verwendet, was wirklich sehr lecker war! Ein einfaches, gutes Essen auf die Hand oder auch als Hauptspeise.

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Tahini-Sauce: Aus Tahini, Wasser, Kreuzkümmel, Knoblauch und Zitronensaft wird eine Sauce zusammengerührt, die man als Dip oder beispielsweise in dem Auberginen-Sandwich essen kann. Schnell, einfach, lecker!

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Mandel-Grieß-Kuchen: Ok, ganz ohne Sirup geht es natürlich nicht… Dieser Mandel-Grieß-Kuchen wird ebenfalls erst einmal gebacken, danach mit Sirup übergossen und ordentlich ziehen gelassen. Erst tat er sich schwer beim Einziehen, über Nacht war der Sirup dann weg, allerdings hätte es noch deutlich mehr sein dürfen. Insgesamt war der Kuchen leider etwas zu trocken, nächstes Mal gibt es also noch etwas mehr Sirup oben drauf und vielleicht ersetze ich einen Teil des Wassers dann auch durch Orangensaft für ein noch intensiveres Aroma.

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Dattel-Walnuss-Kuchen: Dieser Kuchen sieht sehr unscheinbar aus, hat es aber ordentlich in sich. Vollgepackt mit tollen Gewürzen und vielen Datteln ist er ein dankbarer Kuchen: Leicht und schnell gemacht und trotzdem reich an Aromen. Im Rezept fehlt – glaube ich – die Angabe, dass man die Datteln pürieren sollte. Auf dem Bild sieht es jedenfalls nicht so aus, als wären die Datteln ganz hinein gegeben worden und mir kam das auch komisch vor. Das Rezept habe ich euch bereits HIER gezeigt.

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Übrigens: Auch wenn die ägyptische Küche viele Einflüsse von den umliegenden Küchen aufgenommen hat, ist dies hier eigentlich vor allem ein Buch über ägyptische Küche. Ich vermute einfach mal, dass sich „orientalische Küche“ etwas leichter verkaufen lässt, als „ägyptische“, weil zweiteres so speziell wirkt.

Mein Fazit: Wer die orientalische und vor allem die ägyptische Küche mag, sollte in dieses Buch einen Blick werfen. Sowohl Vegetarier, als auch Nicht-Vegetarier kommen voll auf ihre Kosten. Es gibt genügend Rezepte, die man auch ohne speziell ausgerüstete Vorratskammer direkt nachkochen kann – Tahini, Kreuzkümmel, Couscous und Auberginen sind hier allerdings von Vorteil – es gibt aber auch genügend Rezepte für den Spezialisten, der voll in die Küche eintauchen möchte.

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Das Buch „Rosenwasser & Granatapfelkerne“ von Suzanne Zeidy hat fast 300 Seiten, umfasst gute 100 Rezepte und kostet 29,95 Euro. Es ist im Knesebeck Verlag erschienen, wo ihr es auch direkt bestellen könnt und wo es einen schönen Blick ins Buch gibt: KLICK!

Vielen Dank für die Bereitstellung als Rezensionsexemplar!

 

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6 Antworten zu Rezension: Rosenwasser & Granatapfelkerne

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  3. Raspberrysue schreibt:

    Klingt sehr interessant, vieles davon würde ich gern probieren🙂 Liebe Grüße, Carina

  4. Wie immer ein interessanter Einblick in ein nicht alltägliches Buch! Danke, Becky!

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